Aus der Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Neuwiedermuß (Kurzfassung)

"Die Gemeinde Neuwiedermuß erhielt eine neue Feuerspritze. Aus diesem Anlaß bildete sich eine Freiwillige Feuerwehr. Herr Oberbrandmeister Schlegel aus Windecken war erschienen, um der Spritzenprobe beizuwohnen.“

So steht es in der Schulchronik, geschehen in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts (am 21.12.1924 wie erst 2003 bekannt wurde). Es fanden sich 17 Männer unter der Führung von Konrad Waitz zusammen, die den Verein der Freiwilligen Feuerwehr Neuwiedermuß gründeten. Vor diesem Datum hat man allerdings auch auf Nachbarschaftshilfe rechnen können. Brannte es, haben die Einwohner gemeinsam mit Ledereimern und Menschenketten geholfen, es gab aber keine organisierte Feuerwehr. Unmittelbar nach der Gründung bildete sich unter den Wehrleuten eine Musikgruppe unter der Leitung von Wilhelm Tugend, mehrere Fanfaren wurden angeschafft. Ein Feuerwehrfest wurde Ende der Zwanziger Jahre auf der Wiese von Friedrich Bauscher an der Fallbachbrücke gefeiert. Aus dem Erlös heraus wurde eine Feuerwehrleiter angeschafft. Nachfolger von Feuerwehrführer Konrad Waitz wurde Christian Glanz. Zur Wasserversorgung zur damaligen Zeit gibt es einen interessanten Bericht in der Schulchronik:

Am 9. September 1935, vormittags um 11.30 Uhr, brach in der Scheune des Landwirtes Heinrich Schmidt ein Großfeuer aus. In wenigen Minuten stand die ganze Scheune in hellen Flammen. Die Feuerwehren aus Neuwiedermuß, Altwiedermus und Hüttengesäß mußten das angrenzende Wohnhaus schützen. Da das Wasser aus der Fallbach herbei gepumpt werden mußte, war es eine sehr anstrengende Arbeit. Erst als die Motorspritze aus Langenselbold kam, gab es Erleichterung für die Wehren. Herr Landrat Löser war auch von Hanau erschienen und bemängelte das Fehlen einer Wasserleitung. Die Untersuchung hat einwandfrei ergeben, daß ein Kind den Brand gelegt hat. Es wollte seinen Hund suchen und zündete in der dunklen Scheune ein Streichholz an; dies wurde zum Verhängnis. Eine Wasserleitung wurde jedoch erst 18 Jahre später gebaut.


In den Jahren 1939 ­ 1945 gibt es keine Eintragungen der Feuerwehr. Der Verein als solcher existierte nicht. Die Feuerwehrleute unter dem Feuerwehrführer Johannes Helfrich unterstanden der Ortspolizeibehörde und hatten Polizeigewalt. Etliche Brände, verursacht von Fliegerangriffen, waren in dieser Zeit zu löschen. Auch das Spritzenhaus in der damaligen Hauptstraße 23 wurde von einer Brandbombe getroffen und brannte ab.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Kassenbuch weitergeführt mit folgendem Eröffnungsvermerk:

"Am 20. Juni 1948 wurde das Währungsgesetz proklamiert. Alle Bestände in Bargeld und Sparkonten müssen innerhalb drei Tagen dem Finanzamt gemeldet werden. Unser Kassenbestand von RM 703,80 wird im Verhältnis 1 zu 10 in DM 70,30 abgewertet."

In den Nachkriegsjahren, Wehrführer war Werner Gleitsmann, ab 1953 Fritz Ebert, wurden von der Feuerwehr Neuwiedermuß etliche kulturelle Veranstaltungen wie Tanz- und Theaterabende abgehalten. Im Jahr 1979 übernahm Alfred Helbig den Posten des Wehrführers. In den Jahren danach wurden mehrere "Eisick-Feste“ und im Jahr 1988 das große Jubiläumsfest zum 60. Jährigen Bestehen gefeiert.

Heute hat die Freiwillige Feuerwehr Neuwiedermuß 23 aktive und 160 passive Mitglieder. Wehrführer ist seit dem 20. März 1999 Peter Schart. Seit ihrer Gründung bis heute sind deren aktive Mitglieder stets bereit ihren Mitmenschen in Notlagen zu helfen, bei Bränden unter Einsatz des eigenen Lebens das Leben anderer zu retten, Hab und Gut zu schützen ­ nach dem Motto der Feuerwehren:

Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.